Tierfotografie – Wildlife

Tierfotografie oder genauer gesagt Wildtierfotografie, ist ein spezieller Bereich der Fotografie und stellt eine Unterkategorie der Naturfotografie dar. Ebenso können auch die Landschaftsfotografie sowie die Makrofotografie darunter fallen. In diesem Artikel beziehe ich mich aber in erster Linie auf die Tierfotografie.


In diesem Beitrag gebe ich Dir ein paar wichtige Hinweise zu folgenden Punkten:

  1. Was zeichnet diese Art der Fotografie aus?
  2. Persönliche Voraussetzungen.
  3. Herangehensweise  an die Tierfotografie.
  4. Mindestanforderungen an das Equipment.
  5. Wo kann, darf ich fotografieren?

1) Was zeichnet diese Art der Fotografie aus?

Auch wenn Fotografen bei der Tierfotografie nur ein Bild „schießen“ und kein erlegtes Wild mit nach Hause bringen, so ist ein gewisser „Jagdtrieb“, ein aufspüren des Tieres notwendig. Wildtiere sind in der Regel scheu, überdies teilweise nachtaktiv. Jedes Tier benötigt einen speziellen Lebensraum, welcher für den Tierfotografen sehr unwirtlich und schwer zugänglich sein kann.
Dies sind Herausforderungen, die es gilt zu überwinden. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten. Dazu mehr im Punkt 5.

Bei der Vogelfotografie sind es häufig Hobbyornithologen, welche ihre beiden Hobbys miteinander verknüpfen. Generell ist die Tierfotografie sehr hilfreich, um seine Artenkenntnisse zu erweitern. Diese beschränkt sich in der Regel nicht allein darauf, herauszufinden, um welches Tier es sich handelt, sondern man kann auch etwas über Verhalten, Lebensraum, Nahrungsgrundlage erfahren. Je mehr man sich mit solchen Dingen auseinandersetzt, desto besser erschließen sich komplexe Zusammenhänge in der Natur. Diese Kenntnisse können sehr nützlich sein, bei deinen nächsten Planungen für die Tierfotografie.

Häufig sind viele Natur- / Tierfotografen auch Biologen oder in anderen naturwissenschaftlichen Berufen unterwegs. Umgekehrt heißt dies aber nicht, dass man Biologe sein muss, um Naturfotografie oder auch Tierfotografie zu betreiben.

2.) Persönliche Voraussetzungen

Wir wir soeben geklärt haben ist ein Biologiestudium nicht notwendig um Tierfotografie betreiben zu können.

Vielmehr sind es Dinge wie:
– Neugier und die Bereitschaft seine Kenntnisse zu erweitern. Kontakte mit Gleichgesinnten können dabei ebenfalls hilfreich sein.
– Geduld (Stundenlanges ausharren in einem Tarnzelt ist keine Seltenheit) – manche Beobachtungen erstrecken sich über Tage, Wochen, Monate, ja sogar über Jahre.
– Bereitschaft körperliche Strapazen auf sich zu nehmen. Manche Beobachtungsorte sind nicht mit dem PKW erreichbar, d.h. Du musst eventuell das Equipment per Rucksack und zu Fuß transportieren. Hinzu kommen gegebenenfalls Nässe, Kälte, Hitze, Dunkelheit.

Wenn Du Dir noch unsicher bist, so empfehle ich Dir ein paar Erfahrungen bei der Zoofotografie oder auch bei der Haustierfotografie zu sammeln. Zwar sind dies andere Arten der Fotografie, allerdings gibt es doch einige Überschneidungen.

3.) Herangehensweise an die Tierfotografie

Nun, generell ist eine gute Vorbereitung, auch eine gute Herangehensweise. Angenommen Du möchtest hier in Deutschland eine bestimmte Tierart beobachten und fotografieren. Wie bereits erwähnt ist ein gewisses Maß an Kenntnis über diese Art wichtig. Du erfährst dann nämlich auch, wo diese Art am wahrscheinlichsten anzutreffen ist, welches Habitat erforderlich ist usw.
Dann machst Du dir Gedanken, ob solch ein Habitat in Deiner Umgebung vorhanden ist. Vielleicht hast Du Kontakte, über die Du an Informationen herankommst. Dann gilt es herauszufinden. ob Du dort fotografieren darfst.

Ist es Privatgelände, so benötigst Du auf jeden Fall eine Erlaubnis. Sich mit seinem Tarnzelt einfach irgendwo im Wald zu platzieren und Wildtiere fotografieren, wird Dir den Zorn der Jäger bzw. des Jagdpächters auf sich ziehen und eine Anzeige dazu. In Deutschland ist nun mal sehr vieles geregelt. Man muss auch nicht mit allen Regelungen einverstanden sein, dennoch sollte man sich daran halten.

Insbesondere bei Auslandsaufenthalten können sehr empfindliche Strafen bei Verstößen erfolgen.

Mir ist wichtig zu erwähnen, dass es in Deutschland mittlerweile, sehr schöne und öffentlich zugängliche Naturschutzgebiete, mit Beobachtungsständen gibt, die ein Ansitzen mit Tarnzelt und großem Aufwand überflüssig machen. Versuche dich doch einmal darüber zu informieren. Zum Beispiel hier: Die 100 besten Vogelbeobachtungsplätze in Deutschland: mit GPS-Daten

4.) Mindestanforderung an Equipment.

Diese Frage muss zusätzlich noch unterteilt werden in bspw.:
– Fotografisches Equipment
– Bekleidung / Tarnausrüstung

Fangen wir mit dem fotografischen Equipment an. Bei der klassischen Tierfotografie ist Brennweite gefragt, d.h. Du benötigst ein Teleobjektiv. Damit meine ich ein Objektiv mit einer Brennweite von mindestens 300mm.  Je nach eigenen finanziellen Möglichkeiten und Wünschen, kann allein für solch ein Teleobjektiv schnell ein Betrag in 5 stelliger Höhe zusammen kommen.

Es geht aber auch kostengünstiger. Verschiedene Hersteller bieten recht gute Zoomobjektive  an:
Diese gibt es für zum Teil unter 1000 Euro.

Natürlich ist man in dieser Preisklasse dann eher mit weniger lichtstarken Objektiven unterwegs. Die Frage die sich jeder Naturfotograf / Tierfotograf aber stellen sollte, insbesondere solche, die diese Art der Fotografie lediglich als Hobby betreiben, sind:

  • Was will ich fotografieren? Fotografischer Schwerpunkt (Vogelfotografie, oder Makrofotografie).
  • Wie häufig werde ich dieses Objektiv einsetzen?
  • Gibt es Alternativen?
    Ja, die gibt es. Diese könnten bspw. sein, ein Objektiv für einen Zeitraum zu mieten. Sigma bietet einen solchen Leihservice an. Mancher Fotohändler auch für andere Marken. Oder aber man schaut sich auf dem Gebrauchtmarkt um. Allerdings halte ich dabei eine kritische Haltung unbedingt für notwendig. Meist bekommst Du keine Garantie auf solch ein Objektiv. Bedenke auch, dass solche Objektive, insbesondere von Profis, auch wirklich „gebraucht“ wurden.Es sind Arbeitsgeräte, welche unter Umständen extremen Bedingungen ausgesetzt waren – von denen Du nichts weißt. Alle Objektive unterliegen einem Verschleiß. Selbst wenn sie nicht benutzt wurden. Auch Elektronik altert. Hinzu kommen noch solche Dinge wie Raucherhaushalt, Feuchtigkeit mit Pilzablagerungen auf den Linsen usw. Abgesehen davon kosten solche Teleobjektive, von großen Herstellern wie Canon, Nikon auch auf dem Gebrauchtmarkt durchaus noch mehrere Tausend Euro. Häufig sind sie dann bereits auch schon mehrere Jahre alt. Wenn nicht, dafür entsprechend teurer. Für sehr alte Teleobjektiv gibt es stellenweise keine Ersatzteile mehr. Wenn dann bspw. der AF-Motor seinen Geist aufgibt, müsstet du etwas gleichwertiges, finden um es auszuschlachten und umzubauen. Kannst Du dies nicht, benötigst Du jemanden der es kann. Dann muss dass ganze justiert werden.
    Du siehst, da hängt ein ganzer „Rattenschwanz“ dran, wenn Du Pech hast.

Hinzu kommen Dinge wie Bekleidung und zusätzliche notwendige Ausrüstung.

Auch wenn Tierfotografen bezüglich ihres Outfits (Camouflage Bekleidung) belächelt werden, lass Dich nicht beirren. Eine gutes „verschwimmen“ mit der Landschaft ist durchaus wichtig. Oft wird das Argument genannt, Tieren fehlt die Möglichkeit Farben zu erkennen und man könnte diesen Punkt vernachlässigen. Dieses ist insoweit unerheblich, da auch hell-dunkel Kontraste, insbesondere in Bewegung sofort registriert werden. Selbst eine Gesichtsverschleierung im Tarnzelt kann Sinn machen, da die Drehung eines hellen Gesichtes, durch die Beobachtungslücke des Zeltes, ebenfalls sofort erkannt wird und eine Flucht oder Beunruhigung des Tieres zur Folge hätte.

Die Kleidung sollte auch warm halten. In den frühen Morgenstunden sowie Abendstunden kann es auch im Sommer durchaus kalt werden. Abgesehen davon ist man meistens schon zeitig an seinem Beobachtungsort und muss einige Zeit ausharren. Syntheticoberbekleidung verursacht recht laute Geräusche in der Bewegung. Achte auf geräuscharme Kleidung.

Tarnnetze um das Versteck herum, machen es noch „unsichtbarer“. Sie können ebenso zum Einsatz kommen, wie ein Tarnüberwurf. Letzteres wird über den Fotografen und dem Stativ mit Teleobjektiv angebracht. Durch einen Sehschlitz beobachtet man die Lage.
Etwas „komfortabler“ ist da ein Tarnzelt. Dies sollte nicht zu klein sein. Denke daran, dein Equipment muss auch noch hinein passen. Einen guten Ansitzhocker, oder einen Stuhl möglichst mit Lehne. Wenn Du mal 6 Stunden oder länger angesessen hast, dich nicht anlehnen konntest, weißt Du was ich meine.
Die beste Tarnung und das beste Versteck nützen allerdings nichts, wenn Dinge wie die Windrichtung außer acht gelassen werden. Haben die Tiere einmal die Witterung aufgenommen, so ist in der Regel die „Sitzung“ beendet.

Bei der Makrofotografie oder Insektenfotografie kommt es weniger auf die eigene Tarnung an, als auf ruhige Windverhältnisse und einem Makroobjektiv mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1. Hier bewegt man sich in einer Preisklasse von ungefähr 400- 1500 Euro. Für die Insektenfotografie halte ich persönlich, Brennweiten von 100-180mm für am sinnvollsten.
Allein schon wegen der Fluchtdistanz der kleinen Krabbler. Außerdem hast Du mit kleineren Brennweiten den Nachteil, dass du sehr nah ran musst und damit eventuell dein Motiv mit dem Objektiv bzw. Kamera abschattest. Freihandfotografie ist kaum möglich, da sich die Tiefenschärfe im mm Bereich erstreckt.

Selbst mit Makroobjektiven, die mit einer Bildstabilisierung ausgestattet sind, ist dies sehr schwer. Der horente Mehrpreis für die Bildstabilisierung zahlt sich meiner Meinung nach nicht aus. Zumindest nicht in der Makrofotografie. 90% meiner Makrofotos habe ich mit Stativ gemacht.

Oft muss in Bodennähe fotografiert werden. Dazu ist ein stabiles Ministativ hilfreich oder ein Bohnenbeutel. Persönlich nutze ich bereits seit Jahren ein Berlebach Ministativ. Es ist sehr leicht, sehr stabil und extrem belastbar. Ich habe darauf schon einen stabilien Kopf plus meinem 500er Tele montiert gehabt, da ich einen niedrigen Aufnahmestand benötigte und kein anderes Stativ dabei hatte.

(Mehr Informationen über Stative findest Du auch in meinen entsprechenden Blogbeitrag über Stative.)

Bei manchen herkömmlichen Stativen lässt sich die Mittelsäule umstecken, so dass sich der Stativkopf, zwischen den Beinen des Statives, über Bodennähe befindet. Befestigt man dann die Kamera daran, so kann auch damit in Bodennähe fotografiert werden. Eine Abspreizung der Stativbeine um 90°, ist bei den meisten Stativen möglich und lässt das ganze System ebenfalls näher zum Boden rücken.

5) Wo kann, darf ich fotografieren?

Grundsätzlich gilt es Störungen der Tiere zu vermeiden. Sehr viele Tierarten stehen zu Recht unter Naturschutz. Maßgebend sind für das Verhalten jedes Einzelnen, die verschiedenen, gesetzlichen Regelungen, wie beispielsweise das Bundesnaturschutzgesetz, Tierschutzgesetz etc. Diese gilt es zu beachten!

Des weiteren gilt es den gesunden Menschenverstand einzuschalten und auf „Bilder um jeden Preis“ zu verzichten. Störungen am Nest können dazu führen, dass die Brut aufgegeben wird, die Eier auskühlen. Bereits geschlüpfte Jungen würden verhungern oder sind dann schutzlos. Wenn Tiere ständig flüchten müssen, so verbrauchen sie mehr Energie. In Wintermonaten kann dies das Todesurteil für ein Tier bedeuten. Fast alle Tierarten sind zumindest hier in Deutschland mehr oder weniger häufig abgelichtet worden, so dass von ihnen entsprechendes Bildmaterial existiert. Folglich ist es nicht hinnehmbar, eine für das Tier störende Verhaltensweise an den Tag zu legen, lediglich um seinen eigenen „Jagdtrieb“ zu befriedigen.

Es gibt kommerzielle Angebote, um nah an Wildtiere heranzukommen. Nehmen wir das Beispiel Kraniche. Du kannst in Norddeutschland Kraniche beobachten, indem du eine Beobachtungshütte buchst. Diese Hütten sind so angelegt, dass du mit Sicherheit in Ruhe den ganzen Tag Kraniche ablichten kannst. Die Kraniche werden auf einen eigens dafür angelegten Acker gefüttert, damit sie keine Fressschäden auf den Äckern der Landwirte anrichten.

Ähnlich verhält es sich mit Fotos des jagenden Fisch- oder Seeadler. Diese werden für den Fotografen angelockt und vom Boot aus können mit ein wenig Glück durchaus sehr schöne Bilder gemacht werden. Die Anbieter lassen sich dies allerdings auch gut bezahlen.
Ob diese Art der Fotografie einem persönlich liegt, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Ich habe hier in diesem kurzem Artikel nur einige wenige Punkte angerissen. Tierfotografie sowie Naturfotografie ist natürlich noch wesentlich komplexer, würde aber hier mit weiteren Ausführungen den Rahmen sprengen. Es gibt mittlerweile durchaus gute Literatur zu diesen Themen.

Falls Ihr Hinweise und Anregungen habt, so könnt Ihr gerne einen Kommentar abgeben.

Beste Grüße
Hans-Jörg

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