Grundausstattung für die Fotografie – eine Empfehlung

Grundausstattung für die Fotografie

Betrachtet man sich die Entwicklung der Fotografie, insbesondere seit dem Zeitpunkt des Übergangs zur Digitalfotografie, so stellt man fest, dass der Spaß an der Fotografie ungebrochen zu sein scheint. Von mittlerweile hochauflösenden Bildern der Smart Phones, über Kompakt- und Bridgekameras sowie den digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) und seit ca. 2 Jahren den spiegellosen Kameras (DSLM), ist für jede Frau und jedem Mann etwas dabei. Nicht zu vergessen sind Action-Cams, spezielle 360° Kameras und natürlich die Drohnenfotografie.

In diesem Beitrag möchte ich mich an diejenigen Fotografen wenden, die sich mit der Fotografie insbesondere mit Spiegelreflexkameras oder spiegellosen Kameras beschäftigen möchten. Dabei möchte ich bewusst auf eine Kameraempfehlung verzichten, da es mir hier in erster Linie um eine sinnvolle Grundausstattung für die Fotografie und für den Einsteiger geht.

Bei diesen Kamerasystemen kann man aus einer großen Bandbreite von Wechselobjektiven auswählen. Genau dies macht das Fotografieren auch interessant.  Von Fisheye oder Weitwinkel über dem sogenannten „Immerdrauf – Objektiv“ sowie einem Makroobjektiv, bis hin zum 800mm Brennweite Teleobjektiv ist alles vertreten. Die Angebotspalette variiert je nach Hersteller zum Teil beträchtlich. Führend darin dürften die Marken Canon und Nikon sein. Dennoch lohnt es sich auch mit anderen Kameramarken auseinander zu setzen.

Schau Dich ebenso bei den Fremdherstellern von Objektiven um, da deren Angebot in den letzten Jahren ebenfalls stark angestiegen ist. Auch ist so manches Objektiv dem Original ebenbürtig. Noch dazu in der Regel preislich günstiger zu haben.

Aktuell findet allerdings ein Umbruch statt, da der vermehrte Einzug der spiegellosen Kameras (DSLM) unaufhaltsam scheint. Damit einhergehend auch ein Wechsel des Anschlußsystem für die Objektive. Dies bedeutet, dass Objektive für die Spiegelreflexkamera nur noch mit Adapter an einer neuen spiegellosen Kamera verwendet werden können. Dies gilt es zu berücksichtigen.
Bedeutsam ist es dann, wenn Du mit 2 Systemen unterwegs bist oder bereits auf Spiegellos umgestellt hast, aber deine vorhandenen Objektive noch weiter verwenden möchtest. Startest Du als Anfänger direkt mit einer DSLM -Kamera, so wirst Du wahrscheinlich ein dazugehöriges Objektiv mitkaufen.

Das sollte zur Grundausstattung gehören

Kamera und Objektiv

Kamera und Objektiv werden häufig im Set verkauft. Gerade bei den günstigen Einstiegsmodellen macht es aus meiner Sicht durchaus Sinn und hält die Kosten niedrig. Die wenigsten Anfänger werden sofort zu Beginn wissen, was ihr „Steckenpferd“ in der Fotografie sein wird. Ein typisches Kit-Objektiv wäre zum Beispiel ein Canon EF-S 18-55mm 1:3.5-5.6 IS II Universalzoom-Objektiv (58mm Filtergewinde, bildstabilisiert). Mit dieser Kombi deckt man den in der Fotografie überwiegend genutzten Bereich der Fotografie ab.

Aufsteckblitz

Sofern deine Kamera keinen integrierten Blitz besitzt, ist eine Investition in einen Aufsteckblitz sinnvoll. Ein integrierter Kamerablitz ist in der Regel eher nur eine „Notlösung“, da er gegenüber den Aufsteckblitzen deutlich leistungsschwächer ist. Des weiteren hast Du deutlich eingeschränktere Möglichkeiten, beispielsweise wenn es um das „entfesselte“ Blitzen geht. Oder Du möchtest das Blitzlicht weicher gestalten und blitzt indirekt über die helle Decke.
Das Thema „Blitzen“ ist ein eigenständiges, recht umfangreiches und komplexes Thema. Dies erwähne ich deshalb, da die Kosten für einen externen Blitz von 50 bist mehreren hundert Euro reichen. Diese Ausgabe will wohl überlegt sein.

Ersatzakku

Mangels Strom die Kamera nicht mehr betreiben zu können, ist schon recht ärgerlich. Daher macht ein Ersatzakku durchaus Sinn. Ob Original oder Noname muss jeder für sich selber entscheiden. Dazu lediglich der Hinweis, dass Originalakkus in der Regel mit einer besseren Leistungskapazität aufwarten. Allerdings sind sie auch deutlich teurer. Des weiteren werden bei manchen Kameras, welche mit Fremdakkus bestückt sind, bestimmte Informationen über den Akku, wie beispielsweise aktuelle Batteriekapazität, Auslösezähler nicht mehr angezeigt. Im schlimmsten Fall funktioniert die Kamera nicht.

Mittlerweile lassen sich einige Kameras auch über sogenannte „Powerbanks“ laden. Allerdings benötigt man den Strom meist sofort. Von daher ist ein einfacher Wechsel des Akkus eher hilfreich.
Für den Fall, das Du an einem Tag soviel fotografiert, dass 2 Akkus nicht ausreichen, packt Du Dir eben das Ladegerät ein. Bist Du zudem mit dem PKW unterwegs, ist ein 12 Volt Anschluss des Ladegräts ebenfalls sinnvoll. Und für diejenigen die irgendwo jenseits der Zivilisation unterwegs sind, sind entweder mehrere Akkus Pflicht oder eine Lademöglichkeit per Solarpanel eine Option.

Speicherung der Daten

Heutige Digitalkameras produzieren Datenmengen von durchaus 30MB und mehr pro Bild. Dies bedeutet für dich als Fotograf ausreichend Speicherkapazität vorzuhalten. Bevor Du Dir Karten mit großer oder eher kleinerer Speicherkapazität anschaffst, solltest Du aber über folgende Dinge nachdenken:

  • Fotografiere ich in RAW-Format und/oder in JPG. Letzteres benötigt deutlich weniger Speicherplatz. Allerdings ist der Spielraum bei einer späteren Bildbearbeitung ebenfalls geringer.
  • Wie häufig und wieviel fotografiere ich?
  • Bin ich schon mal in „Speichernot“ gekommen oder hat die aktuelle Speicherkapazität bisher völlig ausgereicht?
  • Reicht die aktuelle Speicherkapazität für einen Urlaub aus?

Aus der Beantwortung dieser Fragen  kannst Du für dich ableiten, ob die Anschaffung eines größeren Speichermedium sinnvoll ist. Ich kenne viele Fotografen, die lieber mit mehreren kleineren Speicherkarten arbeiten, um dann Abends im Hotelzimmer oder zu Hause am PC, die Bilder herunter zu laden. Die Angst vor einem Defekt der Karte läßt sie zu dieser Maßnahme greifen.  Die Vorstellung hunderte oder gar tausende Bilder auf einer Karte zu haben und diese geht dann kaputt, sitzt tief. Bei häufigem Wechsel mit kleineren Karten eliminiert man dieses Problem, zumindest zum Teil. Ein weiterer Vorteil ist zudem, dass kleinere Karten in der Regel deutlich günstiger sind.

Hinzu kommt die Geschwindigkeit. Bei sich schnell bewegenden Motiven, wie beispielsweise im Sport oder bei manchen Tierarten, schaltet man meist den Serienbildmodus der Kamera ein. Arbeitet man dann mit einer langsamen Karte und der interne Kamerapuffer ist bereits voll, kann die Kamera erst dann wieder auslösen, wenn der Puffer wieder freigegeben wird. Das kann sehr nervig sein. Fotografiert man aber lieber Architektur oder Landschaften, so kann man durchaus auf die wesentlich teureren Hochgeschwindigkeitskarten verzichten.
Auf jeden Fall sollte man immer eine Ersatzkarte dabei haben.

Besitzt man ein Laptop, so bietet es sich an, einen Kartenleser anzuschließen und die Bilder auf den Laptop zu speichern. Benötigt man noch mehr Platz, so kann eine günstige mobile Festplatte sehr nützlich sein.
Image Tanks, wie sie vor einigen Jahren noch üblich waren, werden in der Regel kaum noch genutzt. Mit Monitor sind sie meist recht teuer. Für diesen Preis bekommt man stellenweise einen günstigen Laptop. Ohne Monitor können sie eine Alternative sein.

Möchte Du dies alles aber in einem Urlaub nicht mitschleppen, so kommst du um den Kauf mehrerer Speicherkarten nicht herum.
Eine weitere Möglichkeit, ist die direkte Speicherung auf einer Cloud. Voraussetzung daür ist ein Internet-Anschluss. Bedenken solltest Du, dass die Daten auslagert werden und Du dich auf einen vertrauenswürdigen Anbieter verlassen muss. Im Ausland gelten andere Datenschutzgesetze.  Darüber gilt es sich genau zu informieren.
Meist ist die Speicherkapazität nicht sehr groß, zumindest nicht im kostenfreien Bereich. Eine kostenpflichtige Cloud kann dann durchaus sehr schnell sehr teuer werden.

Stativ

Zur weiteren Ausrüstung sollte ein Stativ gehören. Dies muss jetzt nicht gleich das hochbelastbare Carbonstativ für über 500 Euro sein. Es genügt sich nach einem stabilen Alustativ umzuschauen. Geht man gern und viel auf Reisen, so empfehle ich ein entsprechendes Reisestativ, welches Du dann auch in heimatlichen Gefilden einsetzen kannst. Stative werden teils mit einem Stativkopf aber auch ohne diesen Angeboten. Egal ob Du dir diese Dinge einzeln kaufst oder zusammen, du solltest es vorher „testen“. Es gibt beträchtliche Unterschiede – damit meine ich nicht nur im Preis. Schau dich in deinem Bekanntenkreis um oder lies meinen Artikel über „Das Stativ„.

Lass Dir von deren Erfahrungen mit ihrem Stativ und Kopf berichten. Vielleicht kannst Du Dir auch mal eins ausleihen und es im Alltag ausprobieren. Beim Kauf in einem Fachgeschäft, nimm Deine Kamera mit und probiere diese auf dem Stativ aus.  Sollte der Verkäufer dies ablehnen, verlass den Laden lieber, bestell im Internet und schick das Stativ gegebenenfalls wieder zurück.
Ein wichtiges Kriterium neben der Stabilität sollte sein, die Stativbeine um 90° oder mehr, abspreizen zu können.

Ebenfalls empfehlen möchte ich Dir, ein Arca-Swiss genormtes Aufnahmesystem zu zulegen. Das sind diese Metallplatten, vorwiegend aus Alu, die unter dem Kameraboden am Stativgewinde oder auch bei Objektiven mit Halterung,  befestigt werden. Eine entsprechende Aufnahmeplatte wird auf dem Stativkopf befestigt. Das System wird umgangsprachlich auch Schwalbenschwanz – System genannt, wegen der entsprechenden Form. Der Vorteil ist die Möglichkeit, Kamera und oder Objektive schnell wechseln zu können, ohne lästiges „Gefriemel“.

Aufnahmehalter mit eingefügter Platte

Fototasche / Fotorucksack

Die Auswahl an Transportmöglichkeiten für die Fotoausrüstung ist riesig. Bei der letzten Photokina in Köln konnte man dies wieder feststellen. Es lohnt sich auch bei diesem Thema genauer hinzuschauen. Der Fotorucksack rangiert sicherlich mit Abstand vor den meisten anderen Fotobehältnissen. Für den Ein- oder Anderen dürften Fototaschen und spezielle Fotokoffer oder entsprechende Fototrolleys interessant sein.

Ein typischer Fotorucksack

Insgesamt gesehen gibt es hier qualitativ große Unterschiede. Erst einmal solltest Du dir bewußt machen, was alles mittransportiert werden soll. Klar, der Body, vielleicht sogar zwei. Auch als Anfänger hat man schnell 2 unterschiedliche oder mehr Objektive zu transportieren. Vielleicht noch den Blitz? Das Stativ soll auch noch mit?

Fächer für Kleinkram, also für Ersatzakkus, Speicherkarten, Reinigungspinsel und Reinigungstuch, dürfen nicht fehlen? Regenjacke und ein wenig Proviant müssen ebenfalls noch unterkommen. Ach ja, der Laptop oder das Tablet brauchst Du ja auch noch.  Du merkst, es kommt schnell etwas zusammen, was verstaut werden muss.

Ein entprechend großer Fotorucksack bietet dir die Möglichkeit, all diese Dinge gut und sicher zu verstauen. Bedenke aber dass das Gewicht ebenfalls schnell zunimmt. Je größer der Rucksack, desto höher auch sein Eigengewicht. Stabile Rucksäcke sind meist etwas schwerer, bieten aber auch einen besseren Schutz für das Equipment. Achte auch auf den Preis. Für einen Fotorucksack kannst Du sehr schnell über 200 Euro ausgeben. Dafür sollte er Dir aber auch einiges bieten.

Führende Hersteller versprechen extra abgedichtete Nähte. Ebenso bei den Reißverschlüssen ein gewisses Maß an Staub- und Wasserdichtigkeit. Ansonsten sollte mindestens eine Regenhaube dabei sein.  Das sich der Innenraum durch sogenannte „Trenner“ mit Klettverschluß variieren läßt, ist  Standart. Ich habe mir im Laufe der Zeit, von verschlissenen Rucksäcken, die Trenner aufgehoben und decke damit die Kamera /die Objektive oder andere Dinge ab, so dass sie beim öffnen des Rucksacks nicht herausfallen können.

Das Tragesystem sollte gut gepolstert und individuell anpassbar sein.  Trinkflaschen sollten möglichst immer außen angebracht sein. Die Vorstellung, dass sich aus Versehen, Flüssigkeit zwischen Dein Equipment ausbreitet, ist nicht angenehm.

In den letzten Jahren haben sich sogenannte Slingshot-Modelle mehr oder weniger etabliert. Diese haben nur einen Tragegurt, welcher quer über die Vorderseite verläuft. Bei einem kleinen Rucksack dieser Art mag das noch gut händelbar sein, da man den Rucksack, ohne abzusetzen, nach vorne schwingen kann. Er liegt dann quer vor der Brust. Mittels seitlicher Öffnung, läßt sich dann auf den Inhalt zugreifen.

Selber hatte ich mal einen von den größeren Slingshot-Modellen. Größer bedeutet auch schwerer, wenn man ihn gut bestückt hat. Beim Tragen hat sich dann gezeigt, dass sich die Tragelast eben nur auf einen Gurt verteilt. Dies wurde bei einer längeren Tragedauer recht unangenehm, so dass ich ihn wieder verkaufte.

Reinigung

Einen Reinigungspinsel, eventuell mit integriertem Blasebalg sollte fester Bestandteil deiner Ausrüstung sein. Je nach Fotosituation setzt sich schnell Schmutz und Staub auf das Objektiv. Meist merkt man dies oft erst bei der Auswertung der Bilder am Monitor. Daher empfiehlt es sich vor jedem Fototermin die Vorder-und Rückseite der Linse zu begutachten und bei Bedarf entsprechend zu reinigen. Dabei fängt man mit dem Blasebalg an. Man hält das Objektiv so, dass der Schmutz nach unten abfallen kann.

Dannach reinigt man mit dem weichen Pinsel nach. Zuletzt verwendet man ein für die Reinigung von Optiken geeignetes spezielles Tuch. Zu vermeiden sind feuchte Reinungstücher für Brillen. Heutige Objektive sind speziell vergütet und ich vermag nicht zu beurteilen, ob die Reinigungsflüssigkeit in den getränkten Brillentücher, diese Beschichtung nicht doch beschädigt.

Plastiktüte

Stell Dir vor Du verbringst deinen Urlaub am Meer und möchtest nun einmal das Objektiv auf der Kamera wechseln. Am Strand ist es häufig recht windig und die Luft ist in der Regel mit Staub und Sandkörnchen durchsetzt. Wenn Du keine Möglichkeit hast, in einem Gebäude oder Fahrzeug Platz zu nehmen, um das Objektiv zu wechseln, ist es sehr hilfreich eine klarsichtige Kunststofftüte dabei zu haben.

Sie sollte so groß bemessen sein, dass eine Kamera mit 2 Objektiven hineinpasst und ein Wechsel derselben vorgenommen werden kann. Vorher muss die Tüte natürlich entsprechend verschlossen werden. Mit dieser Methode minimierst du die Gefahr von Staub und Sandeinschluß in der Kamera. Vorheriges üben dieser Handhabung, in einem Gebäude zahlt sich aus.

Nun sollte einer kleinen Fototour nichts mehr im Wege stehen. Du wirst sehen, dass sich Deine Ausrüstung im Laufe der Zeit immer wieder mal ändern wird. Dies ist natürlich auch davon abhängig, wie häufig und intensiv Du fotografierst. Ebenso welche Themen Du anstrebst. Zur fotografischen Orientierung und Ausrichtung, halte ich eine kleine Ausrüstung, gerade am Anfang für sinnvoll.
Viele Spaß und Erfolg bei der Fotografie wünscht dir

Hans-Jörg

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