Highspeedfotografie – ohne Lichtschranke

Highspeedfotografie

Das man „Hochgeschwindigkeitsfotografie“, zumindest für einen Teilbereich der Fotografie, auch ohne Lichtschranke betreiben kann, ist vielen Fotografen nicht bekannt.  Ein wenig Übung sowie etwas Geduld und Audauer sind dabei von Vorteil.
In diesem Blog möchte ich Euch dies am Beispiel der Insekten- und der Vogelfotografie erklären, wobei noch viele andere Bereiche für diese Art der Fotografie in Frage kommen können.

 

Welche Motive kommen in Frage?

  • Fliegende Insekten, welche zu ihrem Nest/Bau zurückkehren. Dies ist insbesondere im Frühjahr der Fall, wenn der Nestbau und die darauffolgende Eiablage beginnt. Bei einigen Staaten bildenden Insekten, wie Bienen und Wespen kommt danach eine Zeit der Nahrungssuche für den Nachwuchs dazu. Diese geht dann bis in den Spätsommer.
  • Vögel am Futterhäuschen oder Nistkasten. Hierbei gilt es Naturschutzrechtliche Aspekte zu beachten und die Tiere nicht zu stören.
  • Fallende Sachgegenstände wie beispielsweise Gläser, Porzellan oder Dinge die auf den Boden oder ins Wasser fallen.
  • Hüpfende, springende Menschen und Tiere, insbesondere aus dem Sportbereich.

Was wird für solch eine Art der Fotografie benötigt?

  • DSLR oder DSLM
  • Je nach Motiv das entsprechende Objektiv
  • Stativ oder Bohnensack
  • Ein oder mehrere Blitze
  • Kabel- oder Funkauslöser

Die Kamera

  • Eine Spiegelreflexkamera (DSLR) oder spiegelose Kamera (DSLM), sollte es schon sein. Es muss nicht die „High-End“ Kamera sein. Wichtig ist ein einstellbarer manueller Modus, die Möglichkeit einen Kabel- oder Funkauslöser anschließen zu können, einen Blitzschuh für die Aufnahme eines externen Blitzes.
  • Nicht vergessen, geladenen Ersatzakku für die Kamera.

Das Objektiv

  • Bei der Aufnahme von Insekten empfiehlt sich ein Makroobjektiv. Persönlich halte ich eine Brennweite von mindestens 100mm für sinnvoll. Verfügst du über kein Makroobjektiv, so läßt es sich, beispielsweise auch mit einem 70-200mm Zoom gut arbeiten. Der Nachteil ist allerdings, dass die Naheinstellgrenze, deutlich höher ist. Dies bedeutet, dass der Abstand zum Motiv größer gewählt werden muss, damit Du überhaupt scharf stellen kannst. Dieser Nachteil relativiert sich allerdings mit den heutigen Kameras und deren Auflösungsvermögen. Bei 20MP und mehr kann Du bei der Bildbearbeitung einen Ausschnitt wählen, welcher trotzdem das Motiv gut zur Geltung bringt.
  • Ein weiterer Vorteil ist zudem, dass Du bei weitem Abstand einen größeren Tiefenschärfe Bereich nutzen kann, was Dir bei der Bildausschnittwahl zugute kommt. Jeder der schon mal mit einem Makroobjektiv sehr nah am Motiv war, hat feststellen müssen, dass der Tiefenschärfebereich extrem gering ist. Deshalb nutzen viele Makrofotografen die Methode des „Fotostagging“, worauf ich in einer meiner nächsten Themen ebenfalls näher eingehen werde.
  • Zusätzlich läßt sich der Abstand zum Motiv mit Hilfe von Zwischenringen reduzieren. Diese werden zwischen der Kamera und dem Objektiv angebracht. Sie vergößern lediglich den Abstand zum Aufnahmesensor. Allerdings geht dies auch mit ein wenig mehr „Lichtverlust“ einher, so dass Du Einstellungkorrekturen an der Kamera vornehmen musst, wie zum Beispiel eine höhere ISO-Einstellung oder gößerer Blendenöffnung.
  • Für die Vogelfotografie ist ein 70-200mm schon eher geeignet. Hier fängt der Brennweitenbereich, in der Regel, erst bei 200mm an.

Das Stativ

  •  Je nach Anforderung benötigst Du eventuell verschiedene Stative. Damit meine ich in erster Linie die Höhe, auf der sich das Motiv befindet. Es ist ein Unterschied ob Du auf einer Höhe von 160 cm fotografierst oder dicht über dem Boden. Persönlich empfehle ich ein Stativ mit der Möglichkeit einer solchen Auszughöhe. Zusätzlich sollte es aber auch möglich sein, die Stativbeine um 90° abwinkeln zu können. Dann kannst Du nämlich auch gegebenenfalls in Bodennähe fotografieren. Für das Fotografieren dicht über den Boden, nutze ich persönlich lieber einen Bohnensack.
  • Auch für die Blitze werden Halterungen und oder Stative benötigt.

    Wespe ver(jagt) Fliegen. 180mm, f10, 200sec, ISO 200, 2 manuell eingestellte Blitze links und rechts des Motivs, per Funk ausgelöst. Kamera aufgelegt auf Bohnensack. Auslösung mittels Kabelauslöser

 

 

 

 

 

 

 

 

Systemblitze (Aufsteckblitze)

  • Je nach Lichtverhältnissen macht es Sinn, evtl. mit Blitzen zu arbeiten. Insbesondere bei der Insektenfotografie habe ich meine manuellen Blitze eingesetzt. Probleme können auftreten, wenn Du bei hellem Tageslicht fotografierst. Dann ist es sehr schwer Bewegungen einzufrieren, da diese Mischkombination Blitz und Tageslicht, zu sogenannten Geisterbildern führt. Um dies besser zu verstehen, stelle Dir ein und die gleiche Situation, welche Du fotografieren möchtest,  bei Tageslicht sowie bei annähernd völliger Dunkelheit vor . Nehmen wir als Beispiel den Anflug eines Vogels auf eine Futtersäule, an einem hellen Wintertag. Fotografiere ich hier mit einer Blitzsynchronzeit von einer 1/200 Sekunde, so führt das zusätzliche Tageslicht dazu, dass eine „verwischte Bewegung“ aufgezeichnet wird. Selbst wenn Du die Blitzleistung herunter drehst, z.B. auf eine 1/128 der vollen Leistung, dürfte das Bild verwischt und überbelichtet sein. Dies liegt daran, dass eine 1/200sec. einfach zu langsam für einen fliegenden Vogel und einer korrekten Belichtung ist.Sofern Du mit abblenden noch nicht an die Grenze gekommen bist, so  spricht dies allerdings gegen eine Freistellung des Motivs und somit gegen ein schönes Bokeh, welches ich in der Regel eher mit Offenblende erreiche. Würdest Du diese dieselbe Situation bei weniger Tageslicht, also in der Dämmerung fotografieren, so „friert“ der Blitz den Moment ein. Die eingestellte Blitzsynchronisationszeit 1/125 oder 1/200sec. ist langsam genug um den Blitz genau in dieser  Zeit seine Arbeit machen zu lassen, aber auch schnell genug um nicht zuviel zusätzliches Tageslicht mit aufzunehmen. Würdest du eine schnellere Verschlusszeit wählen, so sind auf einmal „Schattenstreifen“ auf dem Bild zu erkennen. Das liegt daran, das der Verschlussvorhang seine Arbeit noch nicht beendet hat. In diesem Fall arbeiten Blitz und Kamera (Verschluss) nicht mehr syncron.
  • Eine  weitere Möglichkeit Wischerbilder und Überlichtung zu vermeiden wäre, mit einen Blitz welcher über die Möglichkeit der Highspeedsyncronisation (HSS) verfügt, zu arbeiten. Vorraussetzung dafür ist, dass die Kamera dies unterstützt. Hier kann unabhängig von der Blitzsynchronzeit eine höhere Verschlusszeit bei gleichzeitiger Offenblende gewählt werden. Dies nutzt man häufig bei Sportfotografien aber auch bei Porträts im hellen Sonnenlicht, um das Motiv etwas aufzuhellen.
  • Sollten die Lichtbedingungen gut sein, stellt sich die Frage, ob Du nicht gleich mit einer schnellen Verschlusszeit und ohne Blitz arbeitest. Dies gilt es abzuwägen. Für Vögel im Anflug würde ich mindestens eine 1/1000sec. einstellen, bei Insekten eher eine 1/1600sec.
  • Befindet sich das Motiv dafür zu sehr in einem schattigen Bereich, könntest Du vielleicht einen kleinen Reflektor (Aufheller) anbringen, mit dessen Hilfe Du das Sonnenlicht Richtung Motiv lenkst. Insekten machen sich wenig daraus, Vögel könntest Du damit aber eher abschrecken. Sollte letzteres der Fall sein, so gilt es darauf zu verzichten.
  • Nicht vergessen, geladene Ersatzakkus für die Blitze.

Kabel- oder Funkauslöser

  • Bei Aufnahmen vom Stativ halte ich einen Kabel- oder Funkauslöer für unerlässlich. Ein einfacher Kabelauslöser hat den Vorteil, dass er keinen Strom benötigt. Der Vorteil eines strombetriebenen Funkauslöser (Ersatzbatterien nicht vergessen) ist die größere Distanz, bei der Du noch auslösen kann. Dies ist sinnvoll bei der Vogelfotografie am Futterhäuschen. Du kannst in Ruhe aus deinem Versteck heraus auslösen.
  • Als vielleicht extremes Beispiel habe ich hier 2 Bilder die dies deutlich machen sollen.
    In einem Vogelhäuschen hatten sich Hornissen einquartiert. Diese wollte ich fotografieren. Um Störungen zu vermeiden, brachte ich mit sehr langsamen und vorsichtigen Bewegungen, mein Equipment in einer Höhe von ca, 3,50 Meter an. Nachdem alles angebracht und eingestellt war, konnte ich mittels Funkauslöser vom Boden aus in Ruhe beobachten und auslösen.

    Anbringen der Kamera in ca. 3,50 Meter Höhe. Das Ministativ von Berlebach habe ich nachträglich noch zusätzlich mit Spanngurten an der Leiter fixiert. Des weiteren trug das Stativ noch einen Novoflex Magic Ball 50, eine Grundplatte als Halterung für den Zangenblitz, eine Halteschiene für den Funkempfänger, den Blitz sowie die DSLR mit 180er Makro. Ich liebe mein kleines Berlebach Stativ. 🙂 .

     

Reger Flugbetrieb 180mm, f13, 1/250sec, ISO 400 Zangenblitz von Novoflex (gebraucht gekauft)

 

Vorgehensweise

  • Bei der Vorgehensweise ist eine zeitige und gute Vorbereitung sehr effektiv und hilfreich. In meinem Fall waren es der Bau eines Insektenhauses und das Aufstellen eines Futterhäuschen für die Winterfütterung der heimischen Vögel. Vermeide es mehrere Futterquellen aufzustellen. Die Vögel sind meist dort, wo Du nicht deine Kamera positioniert hast.
  • Bei den Vögeln kommt eine gewisse Eingewöhnungszeit hinzu. Regelmäßiges auffüllen des Häuschen oder der Futtersäule mit Futter ist wichtig, damit diese auch registrieren, dass hier eine kontinuierliche Futterquelle vorhanden ist.
  • Im Vorfeld sich mit dem Equipment zu beschäftigen, hinsichtlich Handhabung sowie dem Einstellen der notwendigen Parameter, gibt Sicherheit und erspart an den Fotografietagen viel Zeit.
  • Beobachten – ein oft vernachlässgter Gesichtspunkt.
    Bei den Insekten am Insektenhaus konnte ich verschieden Verhaltensweisen dahingehend beobachten, dass beispielsweise manche die Niströhre direkt anflogen und manche eben nicht. Beim direkten Anflug kannst Du dich besser auf den perfekten Moment des auslösen konzentrieren.
  • Ebenso blieb die Zeit vom Verlassen der Niströhre bis zur Rückkehr relativ konstant. In dieser Zeit konnte ich beispielsweise den manuellen Fokus einstellen. Dazu schob ich einen kleinen grünen Grashalm in die Niströhre, so dass er noch etwas herausschaute und stellte darauf scharf. Der Grashalm wurde wieder entfernt und ich hatte genau auf die entsprechende Schärfeebene scharf gestellt. Viele Auslösungen weiter und mit etwas Glück hat man das Insekt genau in dieser Schärfeebene abgelichtet.
  • Hinzu kommt die Ausrichtung der Blitze. Dabei kommst Du in der Regel nicht drumherum, die Standorte der Blitze gegebenenfalls immer wieder mal zu korrigieren. Eine gute Ausleuchtung ist das A und O.
  • Bei den Vögeln gilt es diese an die neue Situation zu gewöhnen. Jede Veränderung (aufstellen eines Statives bspw.) wird erst einmal mißtrauisch beäugt. Daran müssen sich die Tiere erst gewöhnen. Dies geschieht meist relativ schnell.
  • Hast Du einen Teich in der Nähe, an welchem sich in den Sommermonaten Libellen aufhalten, so kannst Du mittels eines Astes, eine „Sitzwarte“ für Libellen installieren. Manche Libellen nutzen diese gerne, um von dort ihr Revier zu überblicken und dieses gegen Eindringlinge zu verteidigen. Bedeutet für dich, dass Du bei der Rückkehr den Anflug auf die Sitzwarte,  versuchen kannst abzulichten.

 

Dies ist ein grober Überblick, was es mit der „Highspeedfotografie“ ohne Lichtschranke auf sich hat. Dieser Beitrag ist daher sicherlich nicht in allen Punkten vollständig. Dennoch will ich damit aufzeigen, dass Du mit ein wenig Übung ebenfalls solche oder ähnliche Bilder machen kannst.
Da es in diesem Beitrag um Tiere geht, empfehle ich Dir auch folgenden Beitrag von mir: Tierfotografie – Wildlife

Freue mich auf Kommentare und Anmerkungen

Hans-Jörg

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