Schwergewicht 600er Tele

Wie ich zu einem 600er kam

In der ernsthaften Tierfotografie, hierbei speziell in der Vogelfotografie, kommt man um lange Brennweiten, in der Regel, nicht herum.
Aufgrund einiger Nutzungsjahre mit einem EF 500 IS von Canon Baujahr 2007 sowie einem kurzfristig angeschaften EF 600/4 IS, ebenfalls von 2007, möchte ich insbesondere über letzteres berichten.
Mit diesem fotografierte ich während eines Urlaubs in Manitoba (Kanada). Dies war auch der Grund warum ich es mir anschaffte., zumal ich mich eigentlich aus dieser „Schwergewichtsfotografie“ zurückziehen wollte. Das EF 500 war bereits verkauft und dann reifte auf einmal doch noch der Entschluß eines Kurztrip nach Manitoba
Nun musste also doch wieder eine langbrennweitige Festbrennweite herbei.


Inhalt dieses Blockartikels:

Technische Daten des EF 600/4 IS
Abbildungsleistung
Schärfe
Bildstabilisator
Das Gewicht
Tarnüberzug
Transport
Konverter
Kauf
Mein Eindruck

Überwiegende Einsatzbereiche

Vogelfotografie Wildlife
Säugetiere Wildlife
Zoofotografie
Sportfotografie

Technische Daten des EF 600/4 IS

Allgemein
HerstellerCanon 
ModellEF 600 mm 4,0 L IS USM 
ObjektivartFestbrennweite 
ObjektivtypTele 
BajonettanschlussCanon EF 
Für SensorgrößeVollformat 
Gewicht5360 g
Maße (Außendurchmesser x Länge)168 mm x 456 mm 
Technische Daten
Filtergröße52 mm
Brennweite600 mm
Lichtstärke4 F
Naheinstellgrenze5500 mm
Größter Abbildungsmaßstab1:8,33 
Anzahl Blendenlamellen
Optischer Aufbau (Linsen / Gruppen)17 / 13 
Ausstattung
Autofokusja 
Bildstabilisatorja 
ED-Linse(n)ja 
Innenfokussierungja 
Ultraschallmotorja

Abbildungsleistung

Die Abbildungsleistung ist auch für heutige Maßstäbe nach wie vor erstklassig. Mit diesem Objektiv werden die Möglichkeiten des Freistellen eines Motives vollständig ausgenutzt. Das Bokeh ist schön weich und wird durch die Blendenöffnung von f4 sehr schön unterstützt.

Schärfe

Sofern der Autofocus (AF) richtig eingestellt und justiert ist, bildet dieses Objektiv knackscharf ab. Unterstützend wirkt natürlich, insbesondere bei Freihandaufnahmen, der integrierte Bildstabilisator.

Bildstabilisator (IS)

Deutlich hörbar verrichtet dieser seine Arbeit. Die Möglichkeit nur mit der horizontalen Stabilisierung zu arbeiten, ist insbesondere bei Flugaufnahmen sehr angenehm. Dennoch sollte möglichst mit schnellen Verschlußzeiten gearbeitet werden, also jenseits der 1/1000sec., insbesondere bei Freihandaufnahmen.
Allerdings habe ich den Bildstabilisator sehr häufig nicht genutzt, da ich das Objektiv meisten auf einem Stativ positioniert hatte.

Gewicht

Wie aus der der obigen Tabelle zu entnehmen ist, hat dieses Objektiv mit 5360 g ein ordentliches Gewicht. Hinzu kommen noch das jeweilige Gewicht der Kamera sowie ein paar wenige Gramm für einen eventuellen Tarnüberzug (Lenscoat). Rechnet man dann noch ein stabiles Stativ mit einem entsprechenden Kopf dazu, nähert man sich schnell der 10kg Marke an.
Die meisten Fotografen, die mit solch einem Objektiv arbeiten, nutzen in der Regel ein Stativ, egal ob Drei- oder Einbein. Oder aber sie legen es auf.
Nun, ich habe durchaus ein paar Freihandaufnahmen mit diesem „Gerät“ gemacht und dem IS sei Dank, funktioniert dies auch recht gut. Allerdings hält man dies nicht lange durch und auch der IS gelangt schnell an seine Grenzen.

Nashornpelikan EF 600/4 1/1000sec. f/5,6 ISO 100 Freihand

Dennoch, der Unterschied an Gewicht zu dem Folgemodell ist bereits beachtlich und deutlich spürbar. Einen direkten Vergleich hatte ich, da mein Freund und Urlaubsbegleiter eben mit diesem unterwegs war.
Auf der Photokina 2018 konnte ich das neueste Modell mal in die Hand nehmen und ich war verblüfft angesicht des Gewichtes. Über 2 KG unterschied zu meinem Objektiv.


Allerdings trägt der hohe Preis (aktuell 13999 Euro) der neuesten Generation von EF 600er Linsen, sicherlich dazu bei, dass gebrauchte Objektive in diesem Segment weiterhin sehr begehrt sind und es wohl noch eine Weile bleiben werden. Eine weitere leidvolle Erfahrung ist die Tatsache, dass Canon nach 10 Jahren keine Ersatzteile mehr herstellt. Dies sollte man wissen, wenn man sich ein gebrauchtes, meist noch recht teures Teleobjektiv zulegt. Ständig die Angst zu haben, dass bspw. ein Eletronikteil kaputt gehen könnte und es dann nicht repariert wird…., sehr blöd. Bei solch teuren Objektiven sollte meines Erachtens, eine Ersatzteilversorgung doch noch ein paar Jahre länger gewährleistet sein. Übrigens nicht nur ein Makel bei Canon.

Tarnüberzug

Insbesondere die Wildlife Tierfotografen nutzen einen Tarnüberzug, da die helle weiße Farbe des Objektiv in der Wildnis recht schnell zu erkennen ist. Es sei denn man ist in einem Gebiet mit viel Schnee unterwegs da passt es wieder. Um es vor Kratzer etc. zu schützen macht es ebenfalls Sinn einen Überzug zu verwenden.
Allerdings möchte ich betonen dass diese Objektive wirklich sehr robust sind und einiges wegstecken können. Viel genutzten Objektive sieht man es durchaus an, dass sie viel benutzt wurden.

Transport

Ein passförmiger Hartschalenkoffer gehört in der Regel beim Kauf dieses Objektiv dazu. Zur Aufbewahrung oder für den Transport im Pkw taugt er durchaus. Für eine weitere Strecke die zu Fuß bewältigt werden muss, ist er meiner Meinung nach allerdings ungeeignet. Ein Transportrucksack, wie der AW 600 von Lowepro, ist dafür schon hilfreicher. Allerdings passt das Objektiv nur mit umgedrehter Gegenlichtblende, so dass sich die Gesamtlänge verkürzt. Das EF 500 f/4 IS passte mit aufgesetzter Gegenlichtblende in den Rucksack.
Zum Thema Gegenlichtblende: Leute passt auf Eure „Geli“ auf. Das Teil kostet um die 700 Euro !!! wenn ihr ein neues benötigt.

Konverter

Da ich nur einen gebraucht gekauften 1,4x Konverter von Kenko besitze, ihn aber selten benutzt habe, (ich war mit den Bildergebnissen nicht zufrieden), kann ich zu den Originalkonvertern von Canon nichts sagen. Lediglich soviel, dass mein fotografierender Bekanntenkreis mit dem Original 1,4x Konverter und einer Vollformatkamera sehr gute Ergebnisse erzielt. Der 2-fach Konverter läßt die Bildqualität deutlich sinken.

Nashornpelikane beim Fischen
Ef 600 f/4 IS Stativ, IS abgeschaltet, 1/15sec., f22 ISO 100 1,4x Konverter von Canon (ausgeliehen)

Kauf

Wir bereits oben beim Thema Gewicht beschrieben, wird bei den meisten Kaufinteressenten der Preis entscheiden, ob man sich ein neues oder ein gebrauchtes Objektiv zulegt.
Ebenfalls eine Gewichtung für die Entscheidung ist natürlich die Unterscheidung ob Hobby- oder Berufsfotograf.
Ein paar weitere wichtige Kriterien habe ich bereits in meinem Blogbeitrag über Wildtierfotografie erwähnt.

Fazit

Ein tolles Objektiv – für die Ansitzfotografie. Umhängen und ein wenig herumlaufen macht nicht wirklich Spaß. Das 500er war deutlich handlicher, da etwas kürzer und leichter. Letztendlich ist es aber mein persönlicher subjektiver Eindruck. Mein Fotofreund schnallt sich sein 600er um und kommt damit gut zurecht, da er flexibler in der Vogelfotografie sein konnte. Hierbei insbesondere bei den Kleinvögeln. Er fotografiert diese fast ausschließlich Freihand. (https://www.photo-natur.net)
Geeignet ist dieses Objektiv für all jene, die sich der Naturfotografie oder auch der Sportfotgrafie verschrieben haben, eine lange Brennweite und ein Maximum an (Bild-) Qualität benötigen sowie ein Höchstmaß an Robustheit erwarten.
Viel Spaß weiterhin wünscht

Hans-Jörg Hellwig

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar zu Swen Antworten abbrechen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*